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Lucasfilm // Interview

Kathleen Kennedy im Interview zur Amtsübergabe

Zum Abschied stellt sich Kathleen Kennedy den Fragen von Deadline und gibt einen Statusbericht zu (fast) allen Projekten.
Kathleen Kennedy verabschiedet sich

Quelle


Kurzstatus

Diese Projekte befinden sich in der Umsetzung oder haben konkrete Deadlines:

  • The Mandalorian & Grogu (Film): Der nächste Kinofilm. Er ist abgedreht, befindet sich in der Postproduktion und startet am 20. Mai 2026.
  • Ahsoka (Serie, Staffel 2): Die Dreharbeiten sind im Oktober 2025 zuende gegangen.
  • Star Wars: Starfighter (Film): Der Film von Shawn Levy ist abgedreht, als eigenständige Geschichte konzipiert und soll laut aktuellen Planungen 2027 erscheinen.
  • Neue Trilogie (Simon Kinberg): In aktiver Entwicklung. Ein 70-seitiges Treatment liegt vor, im März 2026 erwartet Lucasfilm den nächsten Entwicklungstand.

Bei diesen Projekten ruht die Entwicklung oder wartet auf Entscheidungen der neuen Führungsriege oder von Disney:

  • Dawn of the Jedi (James Mangold): Das Drehbuch von Mangold und Beau Willimon ist fertig, gilt aber als „ungewöhnlich”, weshalb das Projekt im Wartestand ist.
  • Lando (Donald Glover): Glover hat ein fertiges Drehbuch eingereicht, Status: Ungewiss.
  • Taika Waititis Film: Ein „großartiges und lustiges“ Drehbuch wurde eingereicht. Status: Ungewiss (hängt von der neuen Leitung ab).
  • The Hunt for Ben Solo (Soderbergh/Driver): Ein fertiges Drehbuch von Scott Burns liegt vor, Status: Ungewiss.
  • Rian Johnsons Trilogie: Offiziell nicht abgesagt, aber aufgrund von Johnsons anderen Projekten (Knives Out) und der Reaktion auf Die letzten Jedi faktisch pausiert.

Lucasfilm hat in den letzten Jahren viele neue Star-Wars-Filme entwickelt und zahlreiche Stunden an Disney+-Serien produziert. Wie lief die Zusammenarbeit mit Ihren Nachfolgern Filoni und Brennan und inwieweit führte sie dazu, dass Sie nun das Steuer abgeben?

KATHLEEN KENNEDY: Vor zwei Jahren habe ich mich mit Bob [Iger] und Alan [Horn] zusammengesetzt, um einen Übergangsplan auszuarbeiten. Mein Vorschlag war, dass Dave Filoni und Lynwen Brennan, die das Unternehmen bisher gemeinsam mit mir geleitet haben, diese Aufgabe übernehmen. Lynwen war 16 Jahre lang Geschäftsführerin bei ILM, bevor sie in derselben Funktion zu Lucasfilm wechselte. Sie war meine wichtigste Partnerin in Finanzfragen und meine engste Geschäftspartnerin bei der Unternehmensführung. Dave wiederum ist die perfekte Besetzung für den kreativen Übergang. Er hatte zwar zuvor noch keinen Realfilm gedreht, aber ich habe schon bei Rogue One sehr eng mit ihm zusammengearbeitet, um ihm ein Gefühl für Live-Action zu vermitteln. Er kommt ja ursprünglich aus dem Animationsumfeld, da er mit George [Lucas] an The Clone Wars gearbeitet hat.

Er hat großes Talent und lebt Star Wars regelrecht. Er und Pablo Hidalgo sind wie wandelnde Enzyklopädien innerhalb der Firma. Sie haben auf alles eine Antwort – egal, ob man fragt: „Hey, kann ich das mit einem Lichtschwert machen?“, „Welche Farben hatten die Schwerter?“ oder nach Details zur Vorgeschichte sucht. Dave hat die letzten Jahre damit verbracht, gemeinsam mit Jon Favreau alle Staffeln von The Mandalorian zu realisieren; Jon war ein großartiger Mentor für ihn. Danach hat er Ahsoka gedreht, basierend auf Geschichten, die er bereits in The Clone Wars begonnen hatte. Er hat die erste Staffel von Ahsoka umgesetzt und bei der zweiten Staffel gerade die Regie für einige Folgen übernommen sowie alle Drehbücher geschrieben. Das hat er im Oktober abgeschlossen. Mein Punkt ist: Wir bereiten diesen Wechsel seit zwei Jahren vor.

Bob Iger ging in den Ruhestand, wurde ersetzt und kehrte dann zurück …

KENNEDY: Das wird hier nicht passieren. Ich habe allen gesagt, dass ich etwas länger bleiben würde, als ich ursprünglich geplant hatte, aber ich bin jetzt bereit zu gehen. Ich freue mich darauf, wieder die Chance zu haben, viele Filme zu machen. Ich möchte zu einer Art eklektischer Gruppe von Projekten zurückkehren, so wie ich es früher getan habe. Ich freue mich auch darauf, wieder mit Frank [Marshall] an gemeinsamen Projekten zu arbeiten. Er hat zuletzt viele Dokumentarfilme gedreht und hatte großen Spaß dabei. Zudem muss ich sagen, dass mich die neuen Technologien sehr reizen.

KI?

KENNEDY: Ja. Ich bin daran interessiert, den verantwortungsvollen Einsatz dieser Werkzeuge zu eruieren und die komplexen Fragen zu klären, wie wir die Rechte der Künstler schützen können. Das ist von entscheidender Bedeutung. Aber gleichzeitig gibt es nichts Aufregenderes als neue Tools, die die Möglichkeiten erweitern, eine visuelle Sprache für Geschichten zu entwickeln. Ich hatte über die Jahre die einmalige Gelegenheit, viele solcher Umbrüche mitzuerleben. Ich habe das Gefühl, dass wir wieder an einem Punkt stehen, an dem wir Dinge sehen werden, die es so noch nie gab. Das finde ich unglaublich spannend.

Gibt es einen früheren Durchbruch, der mit dem Potenzial der KI für das Storytelling vergleichbar ist?

KENNEDY: In gewisser Weise ist es mit Jurassic Park vergleichbar. Damals kam es zu einer Kollision von Innovationen, die George bereits in den Bereichen Ton, Bild und Schnitt vorangetrieben hatte. Die erste CG-Aufnahme überhaupt in einem Film entstand, als John Lasseter bei ILM war und wir Young Sherlock Holmes drehten. Da gab es dieses Buntglasfenster, aus dem eine Figur heraustrat. Viele erinnern sich nicht daran, aber das war der eigentliche Startschuss für CG.

Es war absolut elektrisierend. Was folgte, waren drei Jahre Diskussion sowie Forschung und Entwicklung, bis wir schließlich Jurassic Park umsetzen konnten. Ich habe diese gesamte Entwicklung miterlebt und war Teil dieses Wandels in der Produktion großer Spezialeffektfilme. Ich sage nicht, dass dies jede kleine Geschichte beeinflusst, aber für große Blockbuster, bei denen man versucht, Welten und Bilder zu erschaffen, die die Menschen so noch nie gesehen haben, wird diese Technologie bahnbrechend sein.

Sie haben gerade den sechsten Film im Star-Wars-Universum abgedreht. Ist Starfighter als fortlaufende Kinoreihe geplant?

KENNEDY: Er war als Einzelfilm gedacht. Shawn Levy hat die Dreharbeiten für alle Beteiligten zu einer tollen Erfahrung gemacht, und wir haben diesen 14-jährigen Jungen aus Irland gefunden, der praktisch keine Erfahrung hatte. Es ist immer riskant, eine Geschichte so stark auf einen Kinderschauspieler zu stützen. Man weiß nie genau, wie wohl sie sich vor der Kamera fühlen. Flynn Gray hat sich als ein ganz besonderes Talent herausgestellt.

Beim Casting von Kindern kommt es oft auf die Eltern an. Er hat großartige Eltern und hatte in dieser Hinsicht Glück. Er stand nicht nur mit Ryan Gosling vor der Kamera; der Film ist so aufgebaut, dass alle paar Wochen ein neuer Schauspieler für intensive Einzelszenen hinzukam: Matt Smith, Amy Adams, Aaron Pierre. Es war toll zu beobachten, wie er sich für jeden einzelnen Kollegen begeisterte. Es war für ihn wie die beste Universität der Welt.

Wir alle werden irgendwann einen Gang zurückschalten. Abgesehen vom Potenzial der KI – was begeistert Sie in dieser Zeit des Umbruchs besonders?

KENNEDY: Es hat etwas Schönes, an einem Punkt der Karriere zu sein, an dem man genau weiß, worin man gut ist und was man wirklich tun möchte. Das ist ein befriedigendes Gefühl. Ich hätte nie gedacht, dass ich einmal eine Führungskraft werden würde, aber ich bereue nichts davon. Ich finde es faszinierend, das Geschäft nun von allen Seiten zu kennen. Ich verstehe heute viel tiefer, wie und warum Entscheidungen getroffen werden – auch wenn sie manchmal irrational erscheinen. Aber meine wahre Liebe gilt dem Filmemachen. Ich liebe es, Dinge zu erschaffen.

Was lieben Sie daran am meisten?

KENNEDY: Die Gemeinschaft. Die gemeinsamen Erfahrungen und die Zusammenarbeit. Das ist unglaublich bereichernd. Man ist ganz im Hier und Jetzt. Als Führungskraft ist das oft nicht der Fall: Man schafft etwas, und sofort wollen alle nur darüber reden, was als Nächstes kommt. Oder man grübelt über Dinge nach, die nicht geklappt haben. Man ist selten wirklich in der Gegenwart. Beim Filmemachen ist man jedoch mittendrin. Jede Entscheidung im Moment hat Auswirkungen auf das Ganze. Ich liebe diese Herausforderung, die Dringlichkeit und die Aufregung.

Eine Ihrer ersten Produktionen war E.T. – das muss eine verrückte Zeit gewesen sein…

KENNEDY: Das war es. Aber vergessen Sie nicht: Nach heutigen Maßstäben war das ein 10-Millionen-Dollar-Film. Ein kleiner Film, den man heute als „Independent“ bezeichnen würde. Und dann hob er völlig ab – zu einer Zeit, als wir noch ein Jahr nach dem Kinostart Jubiläen gefeiert haben. Die Kinobesitzer brachten Torten vorbei, weil der Film ein ganzes Jahr lang lief. Diese Zeiten sind natürlich vorbei. E.T. lief und lief, er hatte keinen riesigen Start, blieb aber über Monate hinweg konstant und wurde zu einem der größten Filme aller Zeiten.

Jäger des verlorenen Schatzes, Poltergeist, Zurück in die Zukunft, Jurassic Park, Schindlers Liste, Twister, The Sixth Sense. Alles Riesenhits mit komplexen Handlungen und technischer Brillanz. Sie scheinen wirklich zu wissen, was Sie tun …

KENNEDY: Ich habe inzwischen sicherlich das Gefühl, mein Handwerk zu verstehen, aber ich liebe es vor allem. Kennen Sie das Sprichwort, dass man keinen Tag im Leben arbeiten muss, wenn man liebt, was man tut? So empfinde ich das. Meistens macht mir die Arbeit wirklich Spaß, vor allem wegen der Menschen. Es ist toll, mit Leuten zusammenzuarbeiten, die man bewundert und mag, während alle versuchen, die bestmögliche Geschichte zu erzählen. Ich schätze mich sehr glücklich. Erst heute Abend hielt Shawn Levy eine sehr bewegende Abschlussrede und erinnerte mich daran, dass er vor zehn Jahren auf eigene Kosten nach London geflogen war, nur um mir zu erzählen, was Star Wars für ihn bedeutet. Und 2022 rief ich ihn an und sagte: „Lass es uns angehen.“ Jetzt hat er seinen Traum verwirklicht. Was gibt es Schöneres?

Noch einmal zu meiner Frage von vorhin: Es klingt, als wäre Shawn bereit für mehr, und Sie haben mit diesem Jungen aus Irland eine echte Entdeckung gemacht. Werden wir ihn in einer Filmreihe aufwachsen sehen?

KENNEDY: Das wäre möglich, aber der Film war als eigenständiges Werk konzipiert. Als Nächstes kommt der Mandalorian-Film von Jon Favreau, der ebenfalls großartig und ein völlig anderer Star-Wars-Film ist. Er kommt im Mai heraus. Sobald ich wieder in der Stadt bin, werde ich ihn mir mit Jon ansehen. Während der Dreharbeiten zu Starfighter haben wir parallel an den Effekten für Jons Film gearbeitet. Die Dreharbeiten dazu wurden im November abgeschlossen, gefolgt von einer langen Postproduktion. Ich werde diese Effektaufnahmen überwachen und das Projekt fertigstellen. Bei Shawns Film schauen wir mal – derzeit ist keine Fortsetzung geplant, wir wollten einfach eine in sich geschlossene Geschichte erzählen. Aber man kann nicht ignorieren, wie gut dieser junge Schauspieler ist. Ich wäre überrascht, wenn wir nicht versuchen würden, weitere Geschichten mit ihm zu finden. Dennoch war es schön, den Film ohne den Druck eines Franchise-Aufbaus zu drehen.

Was waren die Höhen und Tiefen bei der Leitung eines Unternehmens, das auf einer so beliebten Marke basiert?

KENNEDY: Zu den Höhepunkten gehört die Erkenntnis, wie sehr die Menschen Star Wars lieben. Die überwältigende Mehrheit der Leute, denen ich begegne, liebt dieses Universum. Als ich anfing, wurde mir klar: Wir stiegen zu einem Zeitpunkt ein, als es zehn Jahre lang keinen Film gegeben hatte, aber die Erinnerung an die größte Saga der Kinogeschichte noch überall präsent war. Man tritt also ein Erbe mit enormen Erwartungen an. Gleichzeitig muss man neue Charaktere einführen, die Galaxis erweitern und sich überlegen, wer das neue Publikum ist. Ich glaube, das ist uns in den letzten zehn Jahren gelungen. Ein neues Publikum zu gewinnen, ist definitiv ein Höhepunkt.

Und die Tiefpunkte?

KENNEDY: Die Tiefpunkte liegen darin, dass es einen sehr kleinen, aber lautstarken Teil der Fangemeinde gibt, der erwartet, dass man im Grunde immer wieder das Gleiche liefert. Wenn man das nicht tut, weiß man, dass man sie enttäuschen wird. Ich bin mir nicht sicher, ob man das verhindern kann, denn man kann es nie allen recht machen. Man kann nur versuchen, gute Geschichten zu erzählen und dem Kern dessen treu zu bleiben, was George geschaffen hat: Hoffnung, Spaß und Unterhaltung. Ich würde nichts an unserem Weg der letzten Jahre ändern. Ich verstehe, dass manche Menschen bestimmte Dinge mehr mögen als andere, aber das ändert nichts an meinen Entscheidungen oder der Wahl der Leute, mit denen wir zusammengearbeitet haben.

Jeder, der an Star Wars mitwirkt, muss die Marke lieben. Jon Favreau ist ein völlig anderer Typ als Tony Gilroy, aber beide sind brillante Geschichtenerzähler. Es war spannend, sie dabei zu unterstützen, ihre Visionen umzusetzen. Ich glaube, das hat Star Wars weitergebracht. Langfristig wird sich das zeigen, aber es fühlt sich richtig an. George hat etwas geschaffen, das Teil der Kindheit von fast jedem Filmemacher ist. Das Erste, was ich oft höre, ist: „Lass mich dir erzählen, wie ich als Kind mit meinem Vater Star Wars gesehen habe.“

Als J.J. Abrams die Sequel-Trilogie startete, fragten wir viele Regisseure nach dem Einfluss des ersten Films. Die beste Reaktion kam von Ridley Scott. Er erzählte, wie er damals mit David Puttnam an Tristan & Isolde arbeitete und sie eine Pause machten, um diesen Film zu sehen, von dem alle sprachen. Ridley sagte, er sei während der Vorstellung immer wütender geworden – nicht weil der Film schlecht war, sondern weil er nicht selbst zuerst darauf gekommen war. Er sagte zu Puttnam: „Ich kann diesen Film nicht mit Ihnen machen. Ich muss ins All fliegen.“ Das führte ihn direkt zu Alien.

Man hört oft von Musikern wie Bruce Springsteen, die Elvis oder die Beatles im Fernsehen sahen und sofort wussten, was sie tun wollten. George hat das mit seiner Trilogie für das Kino getan. Wie hat es Sie verändert?

KENNEDY: Das mit Ridley wusste ich gar nicht, fantastisch! Fast jeder von uns hat diesen Star-Wars-Moment. Es hat die Art und Weise verändert, wie wir über Innovation und visuelles Storytelling denken. George schuf eine Welt, die zehn Jahre zuvor technisch unmöglich gewesen wäre. Die Leute waren fassungslos. Es ist toll, wenn ein Film solche Gefühle auslöst. Ich habe das zuletzt bei Oppenheimer gespürt, oder bei One Battle After Another und besonders bei Sinners. Die Kühnheit von Ryan Coogler, von sinnlichem Blues zu historischen Bildern von Afrika bis Compton zu springen, war beeindruckend. Er hat das Genre komplett auf den Kopf gestellt.

Könnten Sie sich vorstellen, so jemanden wie Ryan Coogler für Star Wars zu gewinnen?

KENNEDY: Glauben Sie mir, das versuche ich ständig. Ich setze mich mit Leuten zusammen, die ich gerne in diesem Universum sehen würde. Aber Star Wars ist nicht unbedingt Ryans Ding. Die Schwierigkeit ist, einen Filmemacher zu finden, der in diese Welt eintaucht und trotzdem seine eigene Handschrift behält.

Tony Gilroy kannte ich von den Bourne-Filmen. Er sah sich anfangs gar nicht bei Star Wars. Aber nach Rogue One fing er an, sich dafür zu begeistern. Bei Andor fand er schließlich seinen Zugang, weil er merkte, dass er innerhalb dieses Rahmens etwas Wichtiges zu sagen hatte. Ich hatte auch erste Gespräche mit David Fincher, mit Vince Gilligan fürs Fernsehen oder mit Alex Garland. Sobald man diese Namen hört, denkt man: „Das wäre ein interessanter Star-Wars-Ansatz.“ Aber nicht jeder ist bereit, alles stehen und liegen zu lassen und drei bis fünf Jahre in so ein Projekt zu investieren. Diese Filme sind viel komplizierter und zeitintensiver, als die Leute denken.

Wie viele Jahre sind es im Durchschnitt?

KENNEDY: Drei bis fünf Jahre – von der ersten Entwicklung über das Konzept bis zur finalen Umsetzung.

Was die Fans brennend interessiert: Wie ist der Stand bei den Projekten von Rian Johnson, James Mangold, Simon Kinberg und Taika Waititi?

KENNEDY: Da muss ich mich vorsichtig ausdrücken. Jim Mangold und Beau Willimon haben ein unglaubliches Drehbuch geschrieben, das aber mit vielen Konventionen bricht – es wurde vorerst zurückgestellt. Taikas Entwurf ist urkomisch und großartig. Aber da ich kurz vor meinem Abschied stehe, ist das nicht mehr allein meine Entscheidung. Donald Glover hat ein Drehbuch eingereicht, und wie Sie wissen, gibt es ein Skript von Scott Burns für Steve Soderbergh und Adam Driver. Das war fantastisch. Alles ist möglich, wenn man bereit ist, Risiken einzugehen.

Bob Iger sagte zu Beginn meines Jobs: „Sei mutig.“ Das hat mir immer gefallen. Man muss bereit sein, Risiken einzugehen, sonst macht man immer nur das Gleiche. Aktuell sind Unternehmen sehr risikoscheu, was ich aufgrund des Drucks der Wall Street verstehe, aber ich glaube, dass diese Vorsicht auf Dauer die Kreativität erstickt. Die Projekte, die ich genannt habe, sind kleine Risiken, weil diese Regisseure eben nicht das „Schema F“ bedienen wollen. Das Studio ist deshalb nervös – so ist die aktuelle Lage.

Was ist mit Rian Johnson? Nach dem Erfolg von Die letzten Jedi haben alle mit seiner Rückkehr gerechnet.

KENNEDY: Er war durch den Netflix-Deal und die Knives-Out-Filme zeitlich extrem gebunden. Das Gleiche passierte bei Shawn Levy und Stranger Things. Bei Rian glaube ich zudem, dass ihn die negativen Reaktionen im Internet verunsichert haben. Ich halte seinen Film für einen der besten der Reihe. Er ist ein brillanter Regisseur, aber die Kritik hat ihn getroffen. Das ist das Schwierige: Filmemacher und Schauspieler fragen mich oft: „Was wird auf mich zukommen?“ Sie haben Angst vor dem Echo.

Sie haben sicher eine dickere Haut entwickelt. Was sagen Sie Neulingen, um ihnen diese Angst zu nehmen? Jedes Star-Wars-Projekt wirkt heute wie eine Explosion.

KENNEDY: Ich bin ehrlich, besonders gegenüber den Frauen, die oft unfairerweise zur Zielscheibe werden. Ich beschönige nichts. Ich betone aber auch, dass es eine sehr kleine, laute Gruppe ist und nicht die Mehrheit der Fans. Wir leben zudem in einer Welt, in der Bots Meinungen manipulieren können. Man braucht ein dickes Fell. Ich sage ihnen: Wenn du deshalb zu nervös bist, dann lass es lieber, denn ich kann dir nicht versprechen, dass es friedlich bleibt. Wir können nur den Kopf unten halten, unsere Arbeit machen und an unsere Geschichte glauben.

Wie läuft das Projekt von Simon Kinberg?

KENNEDY: Er arbeitet gerade daran. Wir haben im August einen Entwurf gelesen, der gut war, aber noch nicht fertig. Wir haben die Geschichte dann noch einmal umgekrempelt. Vor vier Wochen hat er ein sehr detailliertes, 70 Seiten langes Konzept fertiggestellt. Im März erwarten wir den nächsten Stand.

Gibt es noch andere Spin-offs, die Fans mir nicht verzeihen würden, wenn ich sie nicht anspreche?

KENNEDY: Wir haben über die neue Trilogie gesprochen. James Mangolds Projekt ist vorerst auf Eis, ebenso das von Soderbergh. Taika und Donald Glover sind noch im Rennen. Das muss letztlich das neue Team entscheiden. Dave und Lynwen stehen sehr hinter Simons Projekt, also eine neue Trilogie wäre, die uns bis weit in die 2030er Jahre begleiten würde.

Welches dieser Projekte werden Sie produzieren?

KENNEDY: Ich bin offen dafür, zu produzieren, wo ich gebraucht werde. Projekte, die ich mit angestoßen habe, würde ich natürlich gerne zu Ende bringen. Aber ich schreibe dem neuen Team nichts vor. Ich möchte sie unterstützen, ihre eigenen Entscheidungen zu treffen – das ist wichtig.

Das klingt nach einer harmonischen Übergabe, ganz ohne das übliche Drama. Auch privat wirken Sie und Frank Marshall sehr stabil. Haben Sie Bedenken, nun noch mehr Zeit miteinander zu verbringen?

KENNEDY: Das werden wir oft gefragt! (lacht) Ich glaube, wir haben Probleme vermieden, weil wir schon vor der Ehe eng befreundet waren und immer zusammengearbeitet haben. Wir ergänzen uns bei der Arbeit, bei der Kindererziehung und bei fast allem anderen. Wir respektieren uns und genießen die gemeinsame Zeit. Nach 39 Jahren Ehe ist es einfach angenehm, zusammen zu sein. Wir waren ja schon neun Jahre zusammen, bevor wir geheiratet haben.

Wie schnell wird sich das nächste Kapitel Ihres Lebens entwickeln?

KENNEDY: Ich bin mir nicht sicher. Ich habe viele Gespräche geführt, aber da ich derzeit noch exklusiv für Lucasfilm arbeite, konnte ich nicht offen über Pläne sprechen. Sagen wir so: Für das neue Jahr bin ich sehr offen.

Es klingt, als wäre George Lucas mit seinem Museum ebenfalls sehr zufrieden.

KENNEDY: Frank und ich haben vor einigen Wochen mit George in London zu Abend gegessen. Er ist so engagiert. Als er mich bat, den Job zu übernehmen, fühlte ich mich ihm gegenüber sehr verantwortlich. Ich bin froh, dass er mit dem aktuellen Stand zufrieden ist. Ich glaube, er ist erleichtert, dass er das Unternehmen verkauft hat und wir uns so intensiv um sein Erbe kümmern. Der Bau seines Museums ist für ihn ein krönender Abschluss.

Ein Blick zurück: Gibt es etwas, das Sie gerne anders gemacht hätten oder ein Projekt, das Sie lieber nicht veröffentlicht hätten?

KENNEDY: Nein, Reue empfinde ich eigentlich nicht. Vielleicht ein wenig bei Solo: A Star Wars Story. Wir waren so begeistert von der Idee, aber dann merkten wir, dass man Han Solo konzeptionell einfach nicht ersetzen kann – zumindest nicht jetzt.

Harrison Ford ist schwer zu ersetzen…

KENNEDY: Alden Ehrenreich war wunderbar, ein toller Schauspieler. Aber wir haben ihn in eine unmögliche Situation gebracht. Wenn man einmal verpflichtet ist, muss man sowas eben durchziehen. Das bereue ich ein bisschen – nicht das Filmemachen an sich, sondern dass wir es konzeptionell zu früh versucht haben.

Andererseits fanden viele, dass Harrison Ford mit Indy 5 vielleicht etwas zu lange auf der Bühne geblieben ist…

KENNEDY: Nein, das sehe ich anders. Harrison wollte diesen Film mehr als alles andere. Er wollte nicht, dass Indy mit dem vierten Teil endet. Wir haben diesen Film für ihn gemacht, und es war die richtige Entscheidung. Ich glaube nicht, dass Indiana Jones jemals wirklich zu Ende sein wird, auch wenn derzeit niemand aktiv an einer Fortsetzung arbeitet. Es sind zeitlose Filme.

Sie schließen einen weiteren Film mit Peitsche und Fedora also nicht aus?

KENNEDY: Man weiß nie. Steven, Frank, Harrison, George und ich – wir sind alle noch da. Wir können entscheiden, ob es weitergeht oder nicht.


Sawru In

Bei Sawru In ist der Name Programm: Saw Ruin. So erlebte er den Beginn der Sequel-Trilogie als traumatisches Ereignis, blieb SWU aber dennoch als Newsautor und Mädchen für alles erhalten.

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4 Kommentare

  1. B U22

    Danke für die Möglichkeit das Interview hier zu lesen.
    Ich fand es ziemlich interessant, immer wieder erstaunlich an wie vielen guten Filmen sie beteiligt war.

    Auch mit ihrer Star Wars Bilanz bin mehr als zufrieden, man setze nur mal die Menge an neuem Material in die zeitliche Relation.
    Und ich denke da sind wirklich für jeden zumindest einige, oder wie bei mir der überwiegende Teil, tolle Werke dabei über die man sehr froh ist.
    Bei der Einschätzung zur lauten und oft unanständigen Minderheit im Fandom gehe ich auch mit, auch die Meinung, dass Episode 8 die beste der Sequels ist, teile ich (alle die jetzt aufheulen: wartet mal noch 7 bis 12 Jahre und schaut dann die historische Einschätzung an).
    Bei ihrer Bewertung wie weibliche Kreative mit dem Hass der teilweise im Star Wars Fandom auf sie gekippt wird umgehen sollen, bin ich nicht einverstanden. Die Warnung, dass es schlimm werden kann, finde ich richtig. Aber dann zu raten „aushalten und den Kopf unten halten“, finde ich nicht ausreichend. Da hätte ich mir gewünscht, dass sie und andere Führungskräfte der Firma sich viel mehr davor stellen und dagegen halten.

    Nun ja, ich bin auch froh, dass der Übergang bei Lucasfilm scheinbar so harmonisch und organisch abläuft. Die meisten Arbeiten von Filoni mag ich gerne. Ich hoffe nur, dass auch er (oder seine Co-Chefin) ausreichend andere Kreative zu Star Wars locken kann, die einen möglichst anderen Ansatz als er selbst reinbringen wollen. Dann kann viel eher etwas überraschendes entstehen, das das Universum für die folgenden Generationen hoffentlich noch weitere Jahrzehnte so wichtig und lebendig erhält.

    • McQueen

      Gut ausgeführt, bei TLJ bin ich zwar anderer Meinung, z.B. die Entscheidung Luke am Ende sterben zulassen, doch du bringst es mit deinem Kommentar auf den Punkt. Und einige Ihrer Filme vor Star Wars habe ich in einem Kino gesehen (Capitol im Ruhrgebiet, gibt’s leider nicht mehr), und wer bestreitet das Ihr Lebenswerk ein Misserfolg im gesamten ist, kann das gerne auch machen. Wichtiger ist es sich zufragen, ob jede und jeder versteht das KK ein Mensch ist, und Fehler menschlich nun mal sind.

  2. Dark Yoda FDS

    Irgendwie muss ich gerade ganz arg an „The Whizard of Oz“ denken und höre die Manschins singen…

  3. McQueen

    Einige Projekte unter Ihrer Federführung halte ich für durchaus polarisierend, zum Beispiel der letzte Beitrag im Indiana Jones Kosmos. Die durchaus berechtigten Kritiken an den Charakteren, nicht an den Menschen die diese zum Leben erweckt haben. Einige haarsträubende Plot Holes (Indy wird gesucht, aber es gelingt ihm trotzdem nach Marokko zufliegen), das Thema Zeitreise dagegen war etwas neues und gut umgesetzt.

    The Acolyte, und zwar wegen der Geschichte an sich. Diese Serie ist einfach schlecht geschrieben, die teils fremden feindlichen (Diversität, ethnische Herkunft) Kommentare, Tweets usw. sind indiskutabel, oft getarnt z.B als schwarzer Humor.

    Dazu die Vorgeschichte zu TFA, Disney wollte das der Film unbedingt im Dezember 2025 erscheinen sollte, und nicht Lucasfilm, was einer gewissen Logik ja auch entspricht.

    Und es ist genauso, eine kleine Minderheit, die haben nur das Wort
    “ Hate “ im Sinn. Es wird alles haargenau genommen, das schlimmste ist deren Tarnung “ Wir sind Star Wars Fans “ das sind keine Fans, da spielen ganz andere Faktoren eine Rolle.

    Und wie lange sie KK das alles ausgehalten hat, persönliche, höchst persönliche Angriffe, ich mag mir gar nicht vorstellen was da an Post, Mails (auch privat an Sie und Ihrer Familie direkt) angekommen ist.

    Auf jeden Fall ist Ihr Abschied und Ihr Wirken keine Vollkatastrophe wie es viele, meistens im ersten Moment meinen, die erfolgreichen Projekte sind ganz klar in der Überzahl. Das ist meine feste Überzeugung, da gibts gerade mit dem MCU ein Beispiel wie planlos seit 2019 agiert wird.

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Lucasfilm Ltd. wurde 1971 von George Lucas gegründet, um ihm abseits vom Hollywood-Mainstream kreative Freiräume zu eröffnen. Das Studio entwickelte nicht nur die Star-Wars-Filme und Indiana Jones, sondern wurde in den 80ern auch Ausgangspunkt der digitalen Revolution in Hollywood. Seit 2013 ist Lucasfilm eine Tochterfirma der Walt Disney Company.

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