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Literatur // News

Tagebuch eines Padawan XV: Droiden

Persönlichkeiten zwischen Empfindsamkeit und Programmierung

Zum 15. Mal meldet sich Maya Kaathryn Bohnhoff zur Arbeit an Holostar zu Wort:

Robbie Zu den beliebtesten Sujets der Science-Fiction zählt der mechanische Mensch, der Automat, der Roboter, der Cyborg, der Droide. Seit Robbie, dem Roboter aus Alarm im Weltall (einem Film von 1956, dessen Spezialeffekte von Ray Harryhausen sich erstaunlich gut gehalten haben), haben uns Eisenmänner fasziniert. Na gut, in Ordnung, vielleicht nicht erst seit damals, sondern bereits seit Frank L. Baums „Der Zauberer von Oz“.

Jedenfalls haben wir gelernt, unsere Droiden zu lieben – und zu hassen. In der langlebigen britischen Fernsehserie Doctor Who konnten wir feststellen, dass Cybermen hervorragende kollektive Schurken abgeben, weil sie so eiskalt und unerbittlich waren, dass man sie ohne Mitleid oder Bedauern in die Luft jagen konnte. Natürlich haben wir Droiden seither als echte Lebensformen zu schätzen gelernt, und Krieg der Sterne hat diese nuancenreichere Sicht auf sie eröffnet.

Erzwo Denn in Krieg der Sterne konnten wir sehen, dass Droiden zwar die unheimlichsten Feinde abgeben, da sie immerhin weder Mitleid noch Schmerz empfinden können, aber auf der anderen Seite wurden uns auch Droiden gezeigt, die uns warm ums Herz werden ließen, sogar wenn sie, wie R2-D2, nicht menschenähnlich waren. Während ein Kampfdroide programmiert war zu töten, war R2 auf Treue programmiert. Ich weiß nicht, wie es euch geht, aber für mich ist R2 eine Art mechanischer Hund: Unwandelbar treu und bereit, sein Herrchen – oder im Falle von C-3PO sein Droidchen – gegen jede Gefahr zu verteidigen.

Aber wieso hassen wir Droidenschurken wie die Zylonen aus Kampfstern Galactica und lieben R2-D2? Ich denke, es liegt an ihren Geräuschen. Von den Zylonen hören wir nur ein mechanisches Brummen. Diejenigen, die sprechen können, klingen unmenschlich und haben sehr tiefe Stimmen. Instinktiv fürchten wir diese schweigenden, unmenschlichen Hünen. Von allen Geistern, die Charles Dickens rief, war es nicht der mit seinen Ketten klirrende, seufzende und stöhnende Jacob Marley, der Generationen von Lesern und Zuschauern in Angst und Schrecken versetzte, sondern der schweigende, gespenstige Geist der zukünftigen Weihnacht. Und wie jeder Tonexperte weiß, sorgen Bassfrequenzen per se dafür, dass man sich fürchtet. Wer das bezweifelt, möge sich einmal Der Weiße Hai ohne Ton ansehen. Urplötzlich wird der Kunsthai ohne seine Tonspur ganz und gar un-unheimlich.

Dieses tonale Element hilft R2 ungemein. Er gibt niedliche, freche, piepsende Zwitscher- und Pfeiflaute von sich, die uns amüsieren und faszinieren. Mit anderen Worten: Er kommuniziert. In gewisser Weise, werden uns auch C-3PO und I-5YQ durch ihre Geräusche sympathisch. Sie reden mit einer bestimmten – jeweils sehr anderen – Persönlichkeit. C-3PO ist nervös, schnell beleidigt und ein Snob. I-Fünf ist furchtlos, zynisch und kommt mit einem trockenen und beißenden Humor daher. C-3PO ist das Produkt seiner Programmierung, auch wenn er manchmal über sie hinauszuwachsen scheint. Er wurde auf peinliche Genauigkeit und Diplomatie progammiert. I-Fünf, auf der anderen Seite, ist empfindungsfähig. Er wurde programmiert, über seine Programmierung hinauszuwachsen, und nein, ich sage euch nicht, wie.

Leebo Nachdem ich begonnen habe, mit Dash Rendars Droide LE-BO2D9 (Leebo) zu arbeiten, mache ich mir Notizen. Leebos Persönlichkeit ist die seines früheren Besitzes, eines rodianischen Standup-Comedians. Und hierin besteht das Dilemma für den Autor: Es ist äußerst verführerisch, Leebo wie I-Fünf zu schreiben, als hätte er echte Empfindungsfähigkeit erlangt. Wieviele empfindungsfähige Droiden kann es in einer kleinen, weit, weit entfernten Galaxis aber geben? Also muss ich mich bei meiner Arbeit mit Leebo fragen, welche Art Persönlichkeit ein rodianischer Comedian wohl haben würde. Wie würde er darauf reagieren, von Imperialen Soldaten beschossen zu werden oder auf ein Raumschiff zu schießen, in dem sich lebende Wesen befinden? Wie kann er zu seiner eigenen Charakterisierung und der von Dash beitragen, wenn seine Persönlichkeit das Produkt seiner Programmierung ist? Wie kann ich ihn so reagieren lassen, dass gleichermaßen angedeutet wird, dass er programmiert wurde und dass er eine eigene Persönlichkeit besitzt?

Und daran hängt, wie es so schön heißt, ein Märlein.


Christoph

Als SWUler der 2. Generation ist Christoph seit Sommer 2001 auf Star Wars Union aktiv und übernimmt inzwischen eher Aufgaben hinter den Kulissen. Seine Liebe gehört der Lucas-Saga, dem Dunklen Imperium, der New-Jedi-Order-Buchreihe, der Entstehungsgeschichte des Kriegs der Sterne sowie Jyn Erso.

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